Malerei

Zeitzeichen ...

Mit überdeutlichen Konturen macht Gerd Schwanitz den verstörenden Charakter von Krieg, Heldentod, Waffengewalt und den damit verbundenen Mythen auf sachlicher Ebene sichtbar. Ebenso Aufnahme in diesen Katalog fand der Bilderzyklus „Die Blumen des Bösen", der die Begeisterung des Künstlers für das lyrische Werk Baudelaires zum Ausdruck bringt und der Hauptthematik inhaltlich nahesteht.

Die hier vorliegenden Werke haben durchaus Bezug zu aktuellem Geschehen. Doch sie wollen keine Stellung dazu beziehen. Sie enthalten keine politische oder moralische Botschaft, sie werten nicht. Beeinflusst von den Stilmitteln der Informellen Kunst, ist die Bild- und Formsprache so einfach wie möglich gehalten und genau darum so ausdrucksstark. Die Reduzierung auf das Wesentliche macht es leicht, die Darstellungen symbolisch aufzufassen. Als Zeitzeichen, als Alphabet der Aggression. Es ist eine Sprache, die äußerst komplexe Zusammenhänge sofort verständlich macht, aber dennoch Raum für Interpretationen lässt.

Die Verbindung von Vorsatz und Vorsehung in der Schwanitz'schen Maltechnik führt zu verblüffenden Eindrücken. Der reliefartige Materialauftrag gibt den Bilder objekthafte Qualität. Teer — zäh, unerbittlich und in unserer Welt allgegenwärtig — scheint da dickschichtig auf der Leinwand gelandet zu sein. Im Gegensatz zur reinen Form, hinter der die Absicht deutlich zu erkennen ist, entstanden die Strukturen der Reliefs jedoch grundsätzlich jenseits der bewussten Beeinflussung durch den Kunstschaffenden. Zufällig für diejenigen, die an den Zufall glauben. Die Kombination von Stilmittel, Technik und Inhalt verleiht den Bildern eine ungeheure, konfrontative Präsenz im Raum. Es ist das ästhetische Design des Zerstörerischen, das den Betrachter nicht mehr loslässt.

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